Die Christuskirche zu Oberkotzau

Die Christuskirche in der Südostecke des Friedhofs fristete bis vor wenigen Jahrzehnten ein unscheinbares Schattendasein im Vergleich zur viel größeren St. Jakobuskirche, der evangelischen Hauptkirche in der Mitte Oberkotzaus. Sie war einfach nur die im übrigen namenlose Friedhofskapelle. Pfarrer Martius schreibt in seiner Pfarrbeschreibung 1864:
„… Die Gutsherren von Kotzau erbauten sich damit auf dem seit 1618 bestehenden neuen Friedhof eine eigene Grabeskapelle …“. Tatsächlich wurde sie 1740 nach dem frühen Tod des ältesten Sohnes des Markgrafen Georg Albrecht zu Brandenburg-Kulmbach, des Freiherren Friedrich Christian Wilhelm von Kotzau, gebaut. Zusammen mit der Bestattung seines Leichnams wurde sie am 20. September 1741 geweiht.

Für weitere Traueranlässe wurde sie anfangs nur „sehr selten und bei äußerst stürmischem Wetter zur Abhaltung von Grabreden benützt“, wie Pfarrer Martius weiter berichtet. Erst ab etwa 1920 diente sie regelmäßig diesem Zweck. Noch in der Festschrift zum 750-jährigen Jubiläum des Marktes Oberkotzau 1984 wird als Hauptmerkmal das in dem Gewölbe unter der Kirche befindliche Erbbegräbnis der Freiherren von Kotzau (a. d. H. Hohenzollern) genannt.

Architektonisch ist die Christuskirche in ihrem Markgrafenstil ein kleines Juwel, der einzige rein erhaltene Barockbau in Oberkotzau – (abgesehen von dem im selben Stil gebauten Haidecker Schloß, aber das liegt außerhalb). Schöne Epitaphien, zumeist älter als die Kirche selbst, zieren die Außenmauern. Sie zeugen von hochgestellten Persönlichkeiten, die zuvor wohl unter der Jakobuskirche beerdigt lagen. An der südlichen Außenmauer erinnert eine bronzene Gedenktafel an die Freiherren von Kotzau als die Patronatsherren der Kirchengemeinde St. Jakobus. Innen bietet die Kirche mit ihren beiden Doppelemporen an den Längsseiten Sitzplätze für 180 Besucher.

1975 wurde die damalige „Friedhofskirche“ aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Sie diente von da an als Stätte der sonntäglichen Frühgottesdienste im Sommerhalbjahr und der Passionsandachten vor Ostern. 1977 wurde, um sie von dem Odium von Tod und Vergängnis zu befreien, der Name „Christuskirche“ kreiert. Erst in diesem Zusammenhang fiel auf, wie baufällig die Kirche insgesamt geworden war. Dank einer großzügigen Stiftung der Geschwister Lang, Oberkotzau, konnte die Kirche Ende der 1970er Jahre grundlegend saniert und renoviert werden. Kirchenpfleger Peter Hager schreibt (1992): „Der Fußboden wurde mit Ziegel belegt, Emporen, Altar und Kanzel historisch getreu bemalt und ein neuer Innen- und Außenputz angebracht. Die Kanzel krönt seither die wiederhergestellte eindrucksvolle Figur des auferstandenen Christus. Als Besonderheit konnten damals auch die in der Kirche aufgefundenen Totenkronen, 1814 und 1825 für verstorbene Kinder der Gutsherrschaft entstanden, … restauriert werden. Eine Auflage der Stiftung war die Anschaffung einer neuen Orgel. Das … Instrument mit 13 Registern in 2 Manualen und Pedal wurde am Ewigkeitssonntag 1980 eingeweiht.“

Anfang der 2000er Jahre stellte sich heraus, daß die Kirche erneut baufällig geworden war. U. a. waren die Treppen zu den Emporen derart morsch geworden, daß sie nicht mehr begangen werden konnten. Konkret drohte der Abriß des ganzen Gebäudes. Dank einer beispiellosen Spendenbereitschaft der Oberkotzauer Bürger und der finanziellen Hilfe durch den Freistaat Bayern konnte die erneute Renovierung fach- und stilgerecht durchgeführt werden. Seither wird die Kirche auch für Konzerte und ähnliche Veranstaltungen in kleinerem Rahmen genutzt. Von Stil, Größe und Einrichtung her ist sie bestens für Hochzeiten und Taufen geeignet.

H.U.Zr